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Therapien gegen Symptome und für Selbstheilungskräfte

von Sabine Szameitat

Erschöpfung, Kopf- und Gelenkschmerzen, Muskelschwäche, Seh- und Hörstörungen, Nackenschmerzen und Gewichtszunahme - die Symptome der Borreliose sind so vielfältig, dass sie in der Vergangenheit oft mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Vielen Betroffenen wurden bei einer langen Ärzte-Odyssee erst Fibromyalgie, Schulter-Nacken- oder Karpaltunnelsyndrom, Multiple Sklerose und Arthrose attestiert, bevor sie die richtige Diagnose erhielten. Borreliose, die Krankheit mit den verwirrend vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen, segelt immer wieder unter falscher Flagge.

Jutta Rust aus einem Dorf bei Hannover meinte, sie hätte die Grippe. Sie fühlte sich immer müde und schlapp, schlief viel und hatte Mühe, ihren normalen Tagesablauf zu schaffen. Dass sie im Garten von einer Zecke gebissen worden war, hatte sie zwar bemerkt, brachte es aber nicht mit ihrem Zustand in Verbindung. Erst als der Sommer schon fast vorbei war, zog ein Neurologe die richtigen Schlüsse und machte die (Blut-)Probe auf Exempel. Die Antikörper im Blut wertete er als Hinweis auf Borreliose, die daraufhin mit hohen Dosen Antibiotika behandelt wurde.

Vorstellung anderer Heilweisen

Heilpraktiker und Naturheilkundige haben über die Antibiotikabehandlung hinaus auch noch andere Möglichkeiten. Einige davon will das Naturheilkunde-Magazin Ihnen vorstellen. Wenn Sie Erfahrungen mit anderen Heilweisen gemacht haben, schreiben Sie uns.

Gute Erfolge mit Konstitutionsmitteln

“Borreliose ist sowohl aus schulmedizinischer als auch aus naturheilkundlicher Sicht schwer zu beherrschen”, meint Dieter Siewertsen vom Berufs- und Fachverband Freie Heilpraktiker (BRSFH). “Die Therapie muss immer in Abstimmung mit dem Beschwerdebild und manchmal in Zusammenarbeit mit dem Arzt erfolgen.” Die Immunabwehr müsse möglicherweise mit immunstimulierenden Mitteln fitt gemacht werden, um die Selbstheilungskräfte zu unterstützen. “Homöopathisch arbeitende Kollegen haben gute Erfolge mit Konstitutionsmitteln und Nosoden (homöopathisch aufbereitete Zecke oder Erreger) erzielt”, berichtet der Heilpraktiker. Auch sollten Betroffene die Möglichkeit nutzen, die Zecke im Labor untersuchen zu lassen. Erweise sie sich als infiziert, komme auch eine vierwöchige Therapie mit hochdosiertem Echinacea oder eine genau auf den Patienten abgestimmte Bachblüten-Therapie in Frage.

Ute Fischer, Geschäftsführerin der Patientenorganisation Borreliose und FSME Bund Deutschland hält nichts von den Mitteln, die das Immunsystem stimulieren. “Es sieht eher so aus, dass Borrelien unser Immunsystem hochregulieren”, meint sie. “Eine zusätzliche Stimulation kann möglicherweise zusätzliche Beschwerden erzeugen.”

Olaf Kuhnke, Chefarzt einer Klinik für biologische Heilweisen im schweizerischen Castaneda, setzte als Allgemeinmediziner in Deggendorf (Bayern) bei Borreliose-Patienten in einem bereits fortgeschrittenen Stadium erstmals eine modifizierte Eigenblutbehandlung mit einem homöopathischen Anti-Allergiemittel ein. Bei den meisten der Patienten stellte der Arzt eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome fest. “Wenn bereits auto-immunologische Vorgänge das rein mikrobielle Geschehen abgelöst haben, muss ein Verfahren eingesetzt werden, das im immunologischen Bereich wirksam ist”, erklärt Ortrud Aichinger von der Herstellerfirma vitOrgan in Ostfildern. “Deswegen empfehlen wir seit den Erfolgen, die Dr. Kuhnke damit hatte, das Verfahren Heilpraktikern und naturheilkundlich arbeitenden Ärzten für die Therapie von fortgeschrit-tenen Borreliose-Erkrankungen.”

Borreliose eine Modekrankheit?

Zecken hat es schon immer gegeben, Borreliose wurde erst 1975 nach dem langem Kampf einer aufmerksamen Mutter in Lyme im US-Bundesstaat Connecticut entdeckt. Mittlerweile ist das Wissen über die Krankheit noch immer kein Allgemeingut. Aufklärungsarbeit bei Ärzten und Patienten betreibt vor allem die Patientenorganisation Borreliose und FSME Bund Deutschland.

Fehldiagnose Fibromyalgie

Das Naturheilkunde-Magazin sprach mit der Geschäftsführerin Ute Fischer vom Borreliose und FSME Deutschland. Frau Fischer, manche Mediziner unterstellen Kranken, sie seien Hypochonder und hätten sich beim Surfen im Netz mit „Internet-Borreliose“ oder „Borreliose-Neurose“ angesteckt. Hat Borreliose so zugenommen oder ist sie tatsächlich eine Modekrankheit?

Es ist wohl eher so, dass immer mehr Borreliose-Erkrankungen als das erkannt werden, was sie sind. Viele Ärzte kennen sich zwar auch heute noch nicht richtig aus und diagnostizieren stattdessen Fibromyalgie, Rheuma oder psychosomatische Erkrankungen, aber es wird besser. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leben in Deutschland 4 Millionen Borreliose-Kranke, und schätzungsweise zwei Drittel aller Fibromyalgie-Fälle sind in Wirklichkeit Borreliose-Fälle. Wir schätzen, dass die meisten Borreliose-Erkrankungen von einem gesunden Immunsystem bewältigt werden. Viele davon laufen wahrscheinlich sogar unbemerkt ab. Die typische Wanderröte entwickelt sich nämlich nur in 50 bis 60 Prozent der Fälle, und der Stich ist ja schmerzlos.

Was tun, wenn sich eine Zecke in die Haut gebohrt hat?

Da existieren viele Irrtümer. So sollte die Zecke keinesfalls herausgedreht werden, sie hat nämlich kein Gewinde, sondern einen dübelartigen Stechapparat. Am besten mit einem Messer - und nicht mit der viel zu groben Zeckenzange - die Zecke zügig heraushebeln. Es macht nichts, wenn der Saugapparat abgeschnitten wird, Hauptsache, die Zecke hat keine Gelegenheit mehr, in Panik ihren infektiösen Darminhalt in das Gewebe abzugeben.

Sollte man die Zecke in einem Speziallabor auf Borrelien untersuchen lassen?

Das bringt leider wenig. Wenn sie positiv getestet wird, heißt das noch lange nichts. Nur 23 Prozent der Menschen, die von einer positiv getesteten Zecke gestochen werden, werden infiziert. Es werden auch nur zehn Prozent aller Borreliosen chronisch. Übrigens kann man sich mehrmals infizieren. Dann überlagern sich die für die Krankheit typischen immer wieder aufflammenden Symptome.

Warum gibt es keinen Impfstoff und kein spezifisch gegen Borrelien wirksames Mittel?

Weder die Ärzte noch die Gesundheitspolitiker oder die Pharma-Industrie sind an entsprechenden Forschungen interessiert. Die schulmedizinische Antibiotikabehandlung ist ja auch lukrativ genug.

Was sind die Forderungen Ihrer Organisation?

Wir fordern eine Standardisierung der Laboruntersuchungen. Die meisten der 30 verschiedenen Suchtests sind miserabel. Ärzte müssen den Laborauftrag vollständig ausfüllen, damit Rückschlüsse gezogen werden können, ob es sich um eine neue oder eine bereits länger bestehende Infektion handelt. Wenn eine Antibiotikabehandlung, zu der wir raten stattfindet, dann richtig. Die meisten Ärzte verordnen eine Unterdosis. Und immer noch weisen die wenigsten ihre Patienten auf die unweigerlich folgende Pilzinfektion und die Behandlungsmöglichkeiten hin.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.borreliose-bund.de oder in der Beratungs-Hotline 0180-500 6935

Schutzkleidung nützt - Abschreckung nicht immer


Vorbeugung ist die beste Medizin. Gegen Zeckenstiche hilft

- nicht durchs Unterholz und über Wiesen streifen, sondern auf dem Weg bleiben.

- Beine und Füße bedecken, Hose in die Strümpfe stecken.

- vor dem Picknick ein weißes Frotteetuch über die Wiese ziehen. Wenn sich
darin Zecken festgekrallt haben, lieber einen anderen Platz suchen.

- helle Kleidung tragen, von der sich die Spinnentiere besser absammeln lassen.

- nach dem Picknick den Körper genau absuchen. Duschen allein reicht nicht.
Zecken überleben bis zu drei Tagen unter Wasser.

- Ätherische Repellents helfen nicht immer. Sie verwirren die Zecke,
verderben ihr aber nicht den Appetit auf menschliches Blut. Auch Ledum,
vorbeugend gegeben, wirkt nicht immer.

- nach dem Waldspaziergang und der Gartenarbeit Kleidung, die noch einmal
getragen werden soll, in den Trockner stecken und bei hoher Temperatur
etwaige Zecken abtöten. Die Waschmaschine überleben sie, ebenso wie
winterliche Frostperioden.


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